Eingang zur Kapelle
Wer vor die Eingangstüre zur Kapelle tritt, sieht Flammen auflodern und darin Blätter, die nicht verbrennen: Bild des brennenden Dornbusches aus dem Alten Testament. Dort wird erzählt, wie Mose in der Wüste unerwartet Gott begegnet. Aus einem brennenden Dornbusch, der aber nicht verbrennt, ruft dieser Mose an, gibt sich zu erkennen als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs und verspricht, sein Volk Israel aus der Knechtschaft Ägyptens zu retten. Dann sendet er Mose, das Werk der Befreiung auszuführen.
Der brennende Dornbusch ist zum Zeichen geworden für die oft unvermutete Gegenwart Gottes in unserem Leben, gerade in schwierigen Zeiten. Er erinnert an das lebendige Interesse, dass dieser Gott den Menschen entgegenbringt, sein Bestreben, jeden zu retten aus seiner Not und hinzuführen in das Land der Verheissung, „wo Milch und Honig fließen" (Ex 3, 8).
Das Motiv des brennenden Dornbusch zieht sich wie ein roter Faden durch die Kapelle: von der Eingangstüre zum Altar, weiter zum Kreuz und zurück zur Mariensäule. Auf je unterschiedliche Weise trifft man auf dieses Zeichen und wird erinnert: Gott ist gegenwärtig, er will die Befreiung des Menschen und ihn führen zu einem Leben in Fülle.
Öffnen
Schon beim Öffnen der Tür werden wir an die Verwandlung des Mose-Stabes zur Schlange erinnert (Ex 4) und daran, dass der Gott unserer Väter seine Verheissung erfüllt.
Der Raum
Wer die Kapelle betritt, findet einem lichten, weiten Raum vor, einem Ort, der einlädt, aufzuatmen. Der Boden, aus alten Dachziegeln gelegt, strahlt Wärme und lebendige Ruhe aus. Die weißen Wände, die mildes Licht einlassenden Fenster, der hohe, unverstellte Raum lassen spüren: hier geht es um mehr als zweckmäßiges Handeln, hier wirkt ein Größerer, als der in vielem begrenzte Mensch. Von der Eingangstür aus säumt ein Fries aus halbrunden Ziegelstücken den Weg zur Mitte, wo der Altar steht, schafft Raum, umschließt den Ambo und endet unter dem Kreuz. Von drei Seiten umgeben Stühle den Altar mit dem Vorstehersitz in der Mitte. Alles hat seinen Ort, und doch ist der Raum offen und frei, engt nicht ein und schließt nicht aus. Der Chorraum bleibt weitgehend leer und erinnert daran, dass Gott dort eintreten kann, wo Raum für ihn ist, wo Bilder und Erwartungen schweigen.
„Der Ort wo du stehst ist heiliger Boden" ruft die Stimme aus dem Dornbusch Mose zu (Ex 3,5). Heiliger Boden ist auch diese Kapelle; sie lädt ein, dem Geheimnis Gottes in Ehrfurcht zu nahen.
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Die Mitte
Die Mitte des Raumes ist der Altar. Aus dem Chorraum ins Kirchenschiff verlegt, lässt er deutlich spüren: dieser Ort hat eine Mitte, die sich versammelnde Gemeinde hat eine Mitte, jeder Mensch hat eine Mitte: es ist der nahe und verborgene Gott. Wer ihn sucht, findet sich selbst, seinen Platz in der Welt, in allem Wandel Halt. Was Mose in der Wüste erfahren hat, will immer wieder neu geschehen: Begegnung mit dem Gott des Lebens, der da ist für uns.
Um den Altar versammelt, feiert die Gemeinde das Heilige Mahl, in dem der Auferstandene den Seinen das Brot bricht und den Hunger weckt nach dem himmlischen Hochzeitsmahl, der ewigen Vollendung.
Verkündigung
Der Glauben kommt vom Hören. Deshalb wird uns verkündet, was Gott an Israel getan und wie er sich in Jesus Christus kundgetan hat. Ort der Verkündigung ist der Ambo (Bild oben). Auf einer Linie mit dem Altar, steht er leicht erhöht im Chorraum. Das Zeichen des Fisches leuchtet aus dem alten Holz. Den frühen Christen waren die Buchstaben des griechischen Wortes Ichthys für Fisch eine verschlüsselte Botschaft, ein Bekenntnis des Glaubens, den zu entziffern auch uns aufgetragen ist: Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser.
Kreuz in der Krankenhauskapelle
Das von der Decke hängende große Wandkreuz, aus Weidenstämmen und Haselnussruten geflochten, ist voller Leben und Bewegung. Es hält den Blick nicht auf, lässt ihn weiterdringen zu dem, was dahinter liegt, was wir nicht fassen können, was nur im Bild angedeutet werden kann. Wie Mose im Dornbusch den nahen und verborgenen Gott erfahren durfte, leuchtet im Zeichen des Kreuzes der nahe und rettende Gott auf. Im großen Wandkreuz sind viele kleine Kreuze eingeflochten; im Geheimnis des Kreuzes Christi kann jeder sein eigenes wiederfinden und auf den Sieg des Lebens hoffen.
Leuchter
Das ewige Licht, der Osterleuchter, die Kerzen auf dem Altar: aus alten, ausgedienten und gefundenen Stücken gefertigt, lassen zum Leuchten kommen, was Jesus den Menschen, den Armen und Verlorenen zuruft: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben" (Joh 8, 12).
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Tabernakel und Schriftenhalter
Die beiden Stelen rechts und links neben dem Kreuz machen deutlich: der zum Vater Heimgekehrte bleibt uns Menschen nahe, begleitet uns auf unserem Pilgerweg: sichtbar im Zeichen des Brotes und im Zeugnis der Heiligen Schrift. Hatte einst die leuchtende Feuer- und Rauchwolke Israel auf seinem Wüstenweg geleitet, so ist heute der Auferstandene mit uns auf dem Weg.
Die Heilige Schrift wird gehalten von einem alten Brotschieber: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund" zitiert Jesus die Heilige Schrift (Mt 4,4).
Im Heiligen Brot ist die Gegenwart des Auferstandenen sichtbar und zugleich verhüllt. Sichtbar ist auch das Gefäß hinter dem Kranz aus Ähren, verhüllt die Hostien, die darin aufbewahrt werden
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Marienikone
Innige Zuwendung wird spürbar im Bild der Gottesmutter. Die Ikone ist in eine hoch aufragende Säule eingefügt und umgeben von einem lichten Geflecht. Dieses erinnert an das Kreuz im Chorraum und lässt noch einmal das Bild des Dornbusch anklingen. „Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen" heißt es am Beginn des Hebräerbriefes im Neuen Testament, „in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn" (Hebr 1,1). Das Geheimnis der Menschwerdung Gottes leuchtet uns im Bild der Gottesmutter entgegen, die den preist, „der Großes an ihr getan hat" (Lk1,49). Und sie lädt uns ein, zu ihr zu kommen und zu vertrauen, dass Gott uns sieht und sich unsrer erbarmt.
(Die Ikone nach rumänischem Vorbild schuf Frau Engelmann-Kittel, Marhorst 2005.)
Verwendete Materialien
Der Kapellenraum wurde im Jahre 2005 neu gestaltet.
Künstlerisch gestaltete Fenster, frisch gestrichene Wände, eine neue Beleuchtung. Der Raum wurde neu aufgeteilt und neue Dinge haben ihren Platz darin gefunden. Gefertigt aber sind sie fast alle aus altem, bereits anderswo gebrauchtem und dann überflüssig gewordenem Material: der Boden aus gebrauchten Dachziegeln, Altar, Ambo und Priestersitz aus alten Eichendielen, die Stühle aus gebrauchtem Teakholz, die Stelen aus alten Eichenbalken, die Tabernakeltür aus den Zinken einer Egge, der ausgediente Brotschieber als Buchträger, das ewige Licht aus dem Teilstück eines Pfluges, der Osterleuchter aus dem Rest eines Rohres, die Altarleuchten aus geschmiedeten Pfahlspitzen und die Weihwasserschalen liegen auf Teilen eines Trägerbalkens.
Wie das Holz, das Eisen verwandelt wurden und nun in einem großen, sinnvollen Zusammenhang stehen, so will an diesem Ort Verwandlung geschehen: mit allem, was unser Leben prägt, was es reich und arm macht, dürfen wir hier sein. Und wir können uns dem überlassen, der zu uns spricht: „Seht, ich mache alles neu"
(Off 21, 5).
Texte: Peter Klein und Msgr. Reinhard Molitor
Stühlingen/Twistringen im November 2005














