Raum der Stille in unserer Klinik Sulingen

"In Stille und Vertrauen liegt eure Kraft" (Jes 30.15)
Gedanken zum "Raum der Stille"
Ein Raum der zur Stille einlädt, lebt aus dem Vertrauen, dass in jedem Menschen eine Quelle der Kraft und des Friedens ist. Im alltäglichen leben gerät sie schnell in Vergesseneheit, in Tagen der Krankheit, in Stunden bangen Wartens oder im Dunkel der Trauer scheint sie gar versiegt zu sein. Umso wichtiger ist es, dieser Hoffnung nachzugehen und der Kraft des Herzens Raum zu geben.
Dazu möchte der "Raum der Stille" einladen.
Leuchter:
Wer diesen Raum betritt wird hineingenommen in eine besondere Atmosphäre. Schon die Eingangstür verheißt etwas anderes, als die übrigen Räume des Hauses bieten. Vom Osterleuchter aus, dessen Licht die Mitte des Raumes bildet, gehen Kreise aus, sichtbar im Fußbodenmosaik aus alten Dachziegeln. Das Licht der Hoffnung, das jeden Menschen erreichen will, hat seinen Ursprung im Geheimnis der Auferstehung Jesu von den Toten. Auf ihn weist die Osterkerze hin, deren Licht das Dunkel vertreibt.
Das Licht des Tages fällt durch die milden Farben des Fensters in den Raum: dieser Raum lädt ein, Leben und Zuversicht nicht woanders, weit weg zu suchen, sondern an diesem Ort, im eigenen Herzen.
Voller Leben - Das Kreuz im "Raum der Steille"
Voller Leben ist das Kreuz im vorderen Raumteil. die Holzpfähle aus denen es zusammengesetzt ist waren einst Teile einer Befestigung am Ufer des Meeres. Sie diente dazu, den Küstenstreifen zu sichern, dass Wind und Wellen die Erde nicht wegschwemmen; nun ist ein Kreuz daraus geworden. Der Draht, der das Buschwerk zwischen den Pfostenreihen zusammenhielt, ist um die vier Enden des Kreuzes gewickelt und bemalt. Auch dieses Zeichen des Kreuzes will helfen, "Land zu gewinnen", nicht mutlos zu werden, wenn Angst und Sorgen den Boden wegzuziehen scheinen. Der Gekreuzigte ist uns in unserer Ohnmacht nahe und will unsere Füße auf "festen Grund stellen" wie wir in Psalm 40 beten.
Der Ambo
Vor dem Kreuz steht der Ambo, aus einem alten, massiven Eichenbalken gestaltet. Darauf liegt aufgeschlagen die Heilige Schrift. In ihr sind aufbewahrt die Glaubenserfahrungen Israels und der frühen Kirche. Sie wollen uns Mut machen, Gott zu vertrauen und die Spur seines Wirkens im eigenen Leben zu entdecken.
Meditationsbild
Im hinteren Raumteil lädt ein Meditationsbild ein zur Ruhe zu kommen. Das Mosaik aus Holz ist voller Bewegung und strahlt doch Ruhe und Sammlung aus. Eine Spirale, aus verschiedenen Hölzern zusammengesetzt, führt zur Mitte, einem einfachen Kreuz und entfaltet sich dort wieder, weit über den Bildrand hinaus. Auch unser Leben ist zusammengefügt aus lichten und dunklen Erfahrungen, aus bewegten und ruhigen Zeiten. In seiner Mitte aber wird es gehalten und getragen von dem, der gesagt hat: "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt" (Mt 28,20).
Bild der Hoffnung - Pietá
Ein Bild der Hoffnung ist auch das Relief aus weißem Ton an der Wand zwischen den beiden Stuhlreihen. Im Bild der Pietá, der schmerzhaften Mutter, die ihren toten Sohn umfängt, dürfen auch wir uns angenommen fühlen in Trauer und Not. Ein darunterliegendes Fürbittbuch gibt Gelegenheit, eigene Nöte und Wünsche aufzuschreiben, im Vertrauen, dass wir damit nicht alleingelassen werden:
Die auf den Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft" (Jes 40,31).
Text: Peter Klein, Stühlingen, Ostern 2007





